
Warum Deutschlernen Hoffnung bedeutet?
Nasrin will lernen, arbeiten und ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen. Doch nach der Flucht aus dem Iran fehlt ihr genau das, was dafür so dringend nötig ist: ein Deutschkurs und ein sicherer Ort zum Lernen. Im Ute Bock Bildungszentrum können wir helfen und erzählen heute Nasrins Geschichte - Jetzt lesen!
Chance auf Neuanfang
Nasrin* hat viel Schreckliches erlebt und mitangesehen. Darüber sprechen kann sie bis heute nicht. Die Iranerin musste vor vier Jahren aus ihrer Heimat fliehen. Dort half sie Frauen, die sich gegen das Regime stellten. Als die Polizei nach ihr suchte, hatte sie keine andere Wahl mehr als zu gehen. In Österreich versucht die 45-Jährige, neu anzufangen und trotz aller Erinnerungen nicht aufzugeben.
In ihrer ersten Unterkunft in der Steiermark wollte sie nicht nur herumsitzen und warten. Doch dort gab es weder einen Deutschkurs noch Bücher. Also begann sie, allein zu lernen. „Aber das war nur Grammatik auf YouTube. So habe ich nicht sprechen gelernt“, erzählt sie über ihre Anfänge. Nach ihrem Umzug nach Wien suchte Nasrin weiter nach einem passenden Kurs. Denn Privatstunden kann sie sich mit der geringen Grundversorgung nicht leisten. „Im Internet habe ich vom Ute Bock Bildungszentrum erfahren. Dann habe ich immer wieder angerufen, bis endlich ein Platz frei wurde“, erzählt sie erleichtert.

Seit fast 10 Jahren bietet das Ute Bock Bildungszentrum Deutsch- und Alphabetisierungskurse für Geflüchtete an. Weil Bildung der Grundstein für ein selbstbestimmtes Leben ist.
Foto: Sophie Kirchner
Hürde: Angst
Seitdem besucht Nasrin viermal pro Woche einen kostenlosen Deutschkurs. In einer kleinen Gruppe lernt sie endlich mehr als nur Grammatik: lesen, schreiben, sprechen. Sie ist sehr fleißig und macht große Fortschritte. Neben dem Kurs hilft Nasrin freiwillig in einem Sozialmarkt mit. Sie möchte etwas Sinnvolles tun und nutzt die Gelegenheit, das Gelernte gleich im Alltag zu üben.
Nasrins Asylantrag wurde trotz der Situation im Iran negativ entschieden. Gute Deutschkenntnisse oder ein Sprachzertifikat entscheiden zwar nicht, ob sie bleiben darf, es zeigt aber, wie ernsthaft sie an ihrer Zukunft in Österreich arbeitet. Daher übt Nasrin viel für die nächste Sprachprüfung im Herbst. Aufgrund ihrer Erlebnisse im Iran kann sie aber mit Druck nur sehr schwer umgehen. Sie bekommt Blackouts und Panik, hat daher schon einmal einen Prüfungsantritt nicht geschafft.
Ankommen dürfen
Das Team im Ute Bock Bildungszentrum geht behutsam auf ihre Bedürfnisse ein. Nasrin bekommt die Zeit, die sie braucht, und darf in ihrem eigenen Tempo lernen. „Ich bin so dankbar, dass ich hierherkommen und mein Deutsch verbessern kann. Ich weiß, irgendwann darf ich wieder arbeiten. Dann will ich bereit sein“, erzählt sie hoffnungsvoll.
Damit wir Menschen wie Nasrin weiterhin beim Deutschlernen helfen können, braucht das Ute Bock Bildungszentrum Unterstützung. Denn nur durch Spenden können Kursplätze geschaffen werden. Deutschlernen schenkt damit Hoffnung auf ein selbstständiges Leben. Damit Flüchtlinge eine Chance haben!
Deutschkenntnisse ermöglichen ein selbstständiges Leben in Österreich: Sie helfen beim Ein kaufen, bei Arztbesuchen und Behördenwegen, beim Lesen von amtlichen Schreiben und beim Verstehen von Regeln, Anweisungen und Rechten. Wer die Sprache spricht, kann leichter Kontakte knüpfen, am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und später Ausbildung oder Arbeit finden.
Ein Sprachzertifikat entscheidet nicht darüber, ob jemand Asyl erhält. Dafür sind die Flucht- und Schutzgründe ausschlaggebend. Es dokumentiert aber, dass sich eine Person aktiv um Integration bemüht. Dieser sogenannte „Integrationswille“ kann bei gerichtlichen Entscheidungen einen positiven Einfluss haben. Während der Verfahrensdauer nicht Deutsch zu lernen, wird in jedem Fall nachteilig bewertet.
Asylwerbende haben keinen freien Zugang zum Arbeitsmarkt. Ein Unternehmen muss für sie eine Beschäftigungsbewilligung beim AMS beantragen. In einem sogenannten Ersatzkräfteverfahren entscheidet ein Personenkomitee, ob die geflüchtete Person für die ausgeschriebene Position eingestellt werden darf oder nicht. Diese bürokratische Hürde macht es für Menschen wie Nasrin äußerst schwer, einen regulären Arbeitsplatz zu finden.
Für Menschen im laufenden Asylverfahren gibt es derzeit zu wenig leistbare Deutschkurse. Allein in Wien sind Anfang des Jahres rund 1.700 geförderte Kursplätze gestrichen worden. In den übrig gebliebenen Kursen müssen Teilnehmende sehr schnell das nächste Sprachlevel erreichen, unabhängig von ihrem schulischen Hintergrund. Im Ute Bock Bildungszentrum können geflüchtete Menschen kostenlos, in kleinen Gruppen und in ihrem eigenen Tempo lernen. Persönliche Begleitung, alltagsnaher Unterricht und intensive Prüfungsvorbereitung geben ihnen Sicherheit und echte Chancen. Für dieses Angebot bitten wir um Spenden!
Zum Schutz unserer Klient*innen verwenden wir Symbolbilder und verändern die Namen.



