Unverzichtbar für Österreich
Was braucht eine Gesellschaft für ein gutes Zusammenleben? Menschen, die Verantwortung übernehmen – das zeigt der Bock Preis heuer besonders! Bei der Verleihung am 16. April 2026 ließen über 140 Gäste die vier Gewinner*innen hochleben. Lies jetzt, wie ihr Engagement aussieht!
Das Wichtigste zuerst
Die Geschichten der vier Bock Preis-Gewinner*innen 2026 sind außerordentlich beeindruckend: Der 82-jährige Oleg aus der Ukraine hat bereits zweimal Vertreibung miterlebt und engagiert sich rund 40 Stunden pro Woche ehrenamtlich. Hamdi aus Somalia nimmt sich verlässlich seit über zehn Jahren neben Beruf und Familie Zeit für ihr Ehrenamt und begleitet vertrauensvoll Menschen beim Ankommen. Aziz aus Afghanistan übernimmt mit Hilfsvereinen in Österreich und seinem Herkunftsland außerordentliche Verantwortung für seine Mitmenschen. Ibrahim aus Afghanistan ist mit sportlichem und gesellschaftlichem Einsatz immer für diejenigen da, die in der Gesellschaft keinen leichten Start hatten.
Die diesjährigen Gewinner*innen engagieren sich alle bereits seit ihren Ankunftsjahren und sind loyale Stützen der österreichischen Zivilgesellschaft. Insgesamt 38 Nominierungen wurden heuer eingereicht. Dabei ging das Engagement von Betreuungstätigkeiten im Seniorenwohnheim bis zum Einsatz bei den Kinderfreunden. Viele (Regional-)Stellen großer Organisationen, wie dem Roten Kreuz, der Diakonie und Caritas haben Ehrenamtliche nominiert. Egal, ob große oder kleine Einsatzbereiche – der Bock Preis zeigt wieder einmal in wie vielen Bereichen Geflüchtete mit ihrem Freiwilligeneinsatz wichtige gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, die im öffentlichen Bild oft nicht die verdiente Aufmerksamkeit erhält.
Der Bock Preis wird jährlich an Österreichs engagierteste Ehrenamtliche mit Fluchtbiografie vergeben.
Foto: Christoph Liebentritt
Viermal ausgezeichnetes Engagement
Seit Hamdi Abdullahi Hassan 2015 in Österreich ankam, engagiert sie sich ehrenamtlich. Sie half und hilft als Dolmetscherin diversen Organisationen und unterstützte damit in den letzten elf Jahren unzählige Menschen beim Ankommen in Österreich. Als ausgebildete Journalistin bringt sie gesellschaftlich relevante Themen in die Öffentlichkeit: Sie wirkt ehrenamtlich bei mehreren Projekten von Radio Orange mit und ist als Kolumnistin im Südwind-Magazin tätig. Mit unermüdlichem Einsatz setzt sie sich besonders für die Rechte von Frauen und Mädchen ein. In ihrer Nominierung wird Hamdi als außerordentlich professionell und verlässlich beschrieben. Hamdi bleibt auch in schwierigen oder emotional belastenden Gesprächen ruhig und konzentriert. Durch ihr interkulturelles Wissen erkennt sie mögliche Missverständnisse frühzeitig und trägt zu einer respektvollen Kommunikation bei. Ihre Arbeit schafft Transparenz, Vertrauen und Verbindlichkeit – eine wichtige Grundlage für gelingende Beratung und Unterstützung. Sie nimmt sich neben Beruf und Familie viel Zeit für dieses Ehrenamt.
Aziz Mohammadi ist seit seiner Ankunft 2016 in Österreich ein elementarer Teil des Vereins you-are-welcome und hier sogar stellvertretender Obmann. Er vernetzt, unterstützt, koordiniert die lokale Vereinsarbeit in Wien sowie Hilfsprojekte in Afghanistan. „Sein vorbehaltloser Respekt allen Menschen gegenüber und sein Bemühen, den Frauen des Vereins Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen, sind besonders beeindruckend“, so Yasmin von you-are-welcome über das Engagement ihres Kollegen. Aziz musste aufgrund seines Widerstands gegen die Taliban seine Heimat Afghanistan verlassen. Kaum in Österreich angekommen, übernahm er auch hier Verantwortung für die Gesellschaft. Jede freie Minute widmet er der Vereinsarbeit. Seine Kolleg*innen sagen: „Der Verein ist ohne ihn undenkbar. Seine Umsicht und auch seine permanente Vernetzung mit anderen Initiativen sind in Gold nicht aufzuwiegen.“
Ibrahim Rasool flüchtete 2022 von Afghanistan nach Österreich und wurde gleich von mehreren Vereinen für seinen freiwilligen Einsatz nominiert. Beim SK Austria Klagenfurt trainiert der Afghane ehrenamtlich die Frauen-Teams und kann hier mit seiner Expertise als FIFA-Schiedsrichter punkten. In Flüchtlingscamps organisierte er Fußballspiele – Momente der Normalität in der harten Realität auf europäischen Fluchtrouten. Für SOS Balkanroute sowie den Verein Kärnten Andas ist er vielfältig aktiv, hilft bei Sammelaktionen und Aufklärungsarbeit, bei der er auch über seine eigenen Erfahrungen aus Flüchtlingslagern wie Moria und Bihac berichtet. Stets zuverlässig und immer mit dem Herz dabei, unterstützt er seine Spieler*innen nicht nur auf dem Fußballplatz. Alle drei nominierenden Organisationen erzählen von seinem außerordentlichen Engagement: Wann immer er kann, hilft er.
Sein technisches Geschick bringt Oleg Cherednychenko beim Verein PCs für alle ein. 2022 floh er mit seiner Frau und seinen Enkelkindern vor dem Krieg in der Ukraine und lebt seither in einer Wiener Flüchtlingsunterkunft. Trotz seines hohen Alters engagiert er sich seit vier Jahren jede Woche 40 Stunden. „Oleg nimmt gespendete Geräte entgegen und gibt sie an Bedürftige aus, übersetzt für ukrainische Geflüchtete, begleitet sie zu Arztbesuchen und Behördenterminen und gibt Deutschunterricht. Sein Einsatz entspricht einer Vollzeitstelle – freiwillig, ehrenamtlich und aus tiefer menschlicher Überzeugung. Er ist eine unverzichtbare Stütze für viele Menschen, die neu und orientierungslos in Wien ankommen“, erklärt Peter Bernscherer vom Verein PCs für alle. Entwurzelung kennt Oleg schon aus der Zeit im Zweiten Weltkrieg. Seine gelebte Erfahrung macht ihn zur besonderen Vertrauensperson für Geflüchtete. Sein technisches und sprachliches Wissen stellt er täglich in den Dienst anderer. Mit 82 Jahren beweist er: Alter ist kein Hindernis, sondern eine Ressource.
Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen, die Ehrenamtliche für den Bock Preis nominiert haben und dieses außerordentliche Engagement mit uns bei der Verleihung hochleben ließen!
Fotos: Christoph Liebentritt
Menschlichkeit, Musik und Mut
Initiator und Stifter des Bock Preises, Dr. Alfred Fogarassy, erklärt die Hintergründe zum Bock Preis: „Am aktuellen Fall der Geschwister aus Tirol sieht man, wie wichtig die Sichtbarkeit des individuellen Einsatzes ist. Der Bock Preis setzt genau hier an: Das Sichtbarmachen der täglichen positiven Leistungen der Menschen, die oft übersehen werden. Die diesjährigen Gewinner sind das beste Beispiel für das gelebte Miteinander, das gefordert, doch selten gefördert wird.“
Die Auswahl der Gewinner*innen fiel unter den vielen beeindruckenden Einreichungen heuer besonders schwer. Mit dabei in der Jury: Menschenrechtsexpertin Stephanie Krisper, Moderatorin Barbara Stöckl, Ex-Skirennläuferin & Menschenrechtsaktivistin Nicola Werdenigg, Aktivistin & Künstlerin Asma Aiad sowie Springboard-Gründer Robert Gulla.
Mehr als 140 Gäste feierten die Preisträger*innen bei einer emotionalen Veranstaltung, musikalisch begleitet von Sängerin Filiah. Die junge Indie-Sängerin gab Songs aus ihrem neuen Album zum Besten, dessen Release im Porgy & Bess am 5. Juni 2026 gefeiert wird. Die Ehrung stand unter dem Ehrenschutz von Bundespräsident Alexander Van der Bellen und wurde mit großartiger Unterstützung von Bewohnern des Ute Bock Hauses organisiert.
Der Bock Preis, vormals Bock For You, wurde 2019 anlässlich Ute Bocks erstem Todestag ins Leben gerufen. Der mit je 600€ dotierte Bock Preis wird von der Fogarassy Privatstiftung gestiftet und ehrt jährlich das hohe ehrenamtliche Engagement von Geflüchteten.