Barmherzigkeit? Weggekürzt!
„Dann sollen sie halt arbeiten!“ Wie oft haben wir diesen Satz in den letzten Monaten gehört, als wir über die Kürzungen bei der Mindestsicherung von subsidiär Schutzberechtigten gesprochen haben. Doch hier geht es oft um vulnerable Gruppen, wie Fälle des Verein Ute Bocks zeigen.
Einzige Hoffnung: Ute Bock Familie
Herr Chen* braucht Hilfe. Seine Sehbehinderung macht dem 67-jährigen Herrn aus China schwer zu schaffen. Über 10 Jahre war er in Österreich obdachlos, hat sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten und irgendwie durchgeschlagen. Bergauf ging es erst als er ins Ute Bock Haus kam. Wir konnten bewirken, dass sein Asylverfahren neu aufgerollt wird – und tatsächlich erhielt er subsidiären Schutz! Nach Jahren der Unsicherheit war das eine große Erleichterung für Herrn Chen – den alle im Verein wegen seiner ruhigen und freundlichen Art ins Herz geschlossen haben. Mit dem Erhalt der Mindestsicherung sollte es endlich möglich werden, dass er in ein adäquates Pflegeheim umzieht. Im Moment helfen seine Mitbewohner im Stockwerk zusammen, damit er den Alltag bewältigen kann.
Doch dann kommen 2026 die Kürzungen der Stadt Wien. Plötzlich erhält Herr Chen nur noch die sehr viel geringere Grundversorgung. Ein Altersheim für ihn zu finden, wird so zur Unmöglichkeit. Für Härtefälle wie Herrn Chen, die ohne uns auf der Straße stehen würden und völlig aufgeschmissen wären, muss es doch Ausnahmelösungen geben – oder? Wir schildern den Fall der Stadt Wien, bitten um Barmherzigkeit und eine individuelle Lösung für Herrn Chen. Zurück bekommen wir lediglich die Bestätigung über die Kürzung. Herr Chen wird also in der Ute Bock Familie bleiben. Alle helfen hier zusammen, damit es ihm einigermaßen gut geht.
So viel „Glück“ hat ein anderer älterer Herr aus Syrien mit subsidiärer Schutzberechtigung nicht. Wegen den Kürzungen konnte er seine Miete nicht mehr zahlen und wurde obdachlos. Mit 68 Jahren steht er jetzt auf der Straße. Jede Woche kommt er ins Ute Bock Haus und fragt, ob ein Wohnplatz bei uns frei ist – doch auch wir sind an unseren Limits. Die Verzweiflung steht ihm bei jedem Besuch mehr und mehr ins Gesicht geschrieben. Niemand weiß, wie es mit ihm weitergeht.
Nicht nur ältere Personen sind schwer getroffen von den Kürzungen, sondern auch für andere vulnerable Gruppen gibt es keine Ausnahmeregelungen, Übergangsfristen oder Notlösungen.
Foto: Natalia Olivera | Pexels
Nicht einmal Notlösungen für Alleinerziehende
„Dass wir in Österreich Senior*innen auf die Straße schicken und alleinerziehende Mütter einmal nicht genug Hilfe bekommen, um ihre Kinder adäquat zu ernähren und versorgen zu können, hätte ich mir nie gedacht,“ sagt Shirin, Leiterin der Wohnbetreuung im Gespräch. Denn nicht nur ältere Personen sind schwer getroffen von den Kürzungen, sondern auch für andere vulnerable Gruppen gibt es keine Ausnahmeregelungen, Übergangsfristen oder Notlösungen.
Zwei junge, alleinerziehende Mütter, die mit ihren Kindern in von uns betreuten Wohnungen leben, haben die Kürzungen hart getroffen. Sie sind zwar nicht von Obdachlosigkeit bedroht, doch selbst für die einfachsten Dinge fehlt das Geld. Eine ausgewogene Ernährung für die Kinder, Schulsachen, wetteradäquate Kleidung, der normale Bedarf von Kindern – das alles ist unleistbar.
Wir leben heute in einer Stadt ohne Menschlichkeit für besonders schutzbedürftige Menschen. Die Kürzungen haben massive Auswirkungen für die Betroffenen. Derzeit tun wir alles, um diese Menschen aufzufangen. Wir unterstützen mit Wohnmöglichkeiten, Lebensmitteln, kostenlosen Deutschkursen und dem Notwendigsten. Möglich ist das nur mit der Hilfe von Spenden! Eure Hilfe ermöglicht, dass wir unabhängig bleiben können, wenn Kürzungen um sich greifen, andere Hilfsstellen schließen oder ihr Angebot einschränken müssen. Gemeinsam machen wir uns für Armutsbetroffene stark.
* Zum Schutz unserer Klient*innen verändern wir Namen und verwenden Symbolbilder.