Wien schließt – und nun?
Das letzte Ankunftszentrum für Ukraine-Vertriebene in Wien schloss am 8. Jänner 2026, obwohl Russlands Angriffskrieg weiter wütet und rund 1.200 Ukrainer*innen im Monat in Österreich ankommen. Wie geht es jetzt weiter?
Ein einziges Ankunftszentrum übrig
Während weiterhin Menschen aus der Ukraine nach Österreich fliehen (rund 1.200 Personen im Monat), schließt die Stadt Wien ihr letztes Ankunftszentrum für Ukraine-Vertriebene. Ein einziges bleibt übrig: Linz bietet ein 24/7-Erstaufnahmezentrum mit knapp 15 Plätzen.
Das bedeutet konkret: Menschen auf der Flucht – auch Familien mit Kindern – stehen in Wien plötzlich ohne Schlafplatz da. Im Winter. In einer Stadt, die sich eigentlich als sozial versteht und deren Obdachlosenquartiere bei Eiseskälte meist zu 100 Prozent ausgelastet sind.
Auf Kosten von Menschen
Hier wird auf dem Rücken von Betroffenen ein Zuständigkeitskonflikt zwischen Bund und Ländern ausgetragen. Die Bundesagentur für Betreuungs- und Unterstützungsleistungen (BBU) bietet zwar ein Informationsblatt für Ankommende aus der Ukraine an, jedoch gibt es hier (außer in Linz) keine Notquartiere oder Schlafplätze, sondern lediglich Beratungsstellen mit meist vorab Terminvereinbarung zu klassischen Bürozeiten. Für Erstinformation und -Registrierung sind polizeiliche Stellen zuständig. Wie gut diese bürokratischen Anweisungen für Kriegsvertriebene verständlich sind, ist fraglich. Flucht passiert noch dazu wohl kaum nur zwischen 8:00 Uhr morgens und 15:00 Uhr.
Diese Konflikte über Zuständigkeiten werden also auf Kosten der Menschen ausgetragen, die auch heute noch aus der Ukraine nach Österreich fliehen müssen. Wo sich offizielle Stellen aus der Verantwortung ziehen, müssen wohl Vereine und die Zivilbevölkerung Armutsbetroffene auffangen.